BGM-Basics: Krankheitsbedingte Fehlzeiten

„Frau Thiel, ich melde mich bei Ihnen weil unser Krankenstand viel zu hoch ist!“ Ist es in Ihrem Unternehmen ähnlich? In diesem Artikel erfahren Sie

  1. wie die Begriffe Krankenstand, Fehlzeiten, krankheitsbedingte Fehlzeiten definiert werden,
  2. welche Krankheiten vorherrschend sind,
  3. wie sie wirklich gemessen werden,
  4. welche Bedeutung sie für Ihr Unternehmen haben,
  5. was Krankheit kostet.

1. Definition Krankenstand

Christina Thiel Start BGM

Krank ist nicht gleich krank – das direkt vorneweg. Bei der Definition ergeben sich eine ganze Reihe von Fragen, wenn die „Krankenquote“ im Unternehmen ermittelt werden soll.

Wer gilt wann als „krank“? Was betrachten wir tatsächlich als „Fehlzeit“? Wie fließen Kur, Mutterschutz, Unfälle in die „Krankenstatistik“ ein? Wird der „Krankenstand“ tage- oder stundenweise gezählt? Welche Mitarbeiter fallen unter diese Statistik: Nur das Stammpersonal oder auch freie Mitarbeiter, Mitarbeiter aus Zeitarbeitsfirmen etc.? Soll der Krankenstand als Quote in % oder in absoluten Zahlen gemessen werden?

Soll ein Betriebliches Gesundheitsmanagement gestartet werden, kommen ganz zu Beginn die Krankenkassen mit ins Spiel und ermitteln ebenfalls den Krankenstand. Und auch hier ist die Zählweise speziell, denn die Krankenkassen ermitteln lediglich die Krankmeldungen mit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, also in der Regel erst ab dem 3. Tag der Erkrankung.

Sie sehen: Fragen über Fragen…Und vor allem: Welche Schlüsse zieht das Unternehmen aus diesen Zahlen? Welche Definition wird genau gewählt? Das sollten Sie als Unternehmen frühzeitig besprechen.

2. Vorherrschende Krankheitsarten

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Egal, wie gezählt wird, die Erkrankungsarten sind eindeutig: Laut „Statista“ sind die drei wichtigsten Krankheitsarten an den Arbeitsunfähigkeitstagen in Deutschland im Jahr  2020:

Muskel-Skelett-Erkrankungen

„Sitzen ist das neue Rauchen“ – Sie kennen diesen Satz. Bewegungsarmut führt in vielen Fällen zu Rückenschmerzen und anderen Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE). Aber auch häufiges schweres Tragen, ziehen und schieben führen zu Belastungen in diesem Bereich. Er ist gerade deshalb problematisch, weil er häufig lange Ausfallzeiten nach sich zieht und somit die Kosten in die Höhe treibt, sowohl für den Ausfall des Mitarbeiters/ der Mitarbeiterin als auch innerhalb der Produktion. Die Kosten belaufen sich nach Haufe dabei auf 23 Mrd an Bruttowertschöpfung.

Psychische Erkrankungen

Die psychische Gesundheit steht und fällt mit dem Verhältnis an Be- und Entlastungen. Jeder Mensch kann Stress ertragen, ohne Stress kein Leben, denn er bewahrt uns vor gefährlichen Situationen. Solange, sich An- und Entspannung die Waage halten, stehen die Chancen auf eine positive psychische Gesundheit sehr gut. leider ist dies in vielen Fällen nicht mehr der Fall, der Mensch erkrankt psychisch. Der Stress hat überhand genommen, der Ausgleich fehlt. Gerade in diesen aktuellen Krisenzeiten wird unsere psychische Belastbarkeit sehr stark beansprucht. Ängste, Homeoffice, Unklarheiten, wie lange die Krise noch dauert, führen zu einem enormen Stresspegel. War diese Art der Erkrankung auch schon vor Corona in den Statistiken weit vorne, wird die Lage immer angespannter. Auch hier ist es ähnlich wie bei den MSE: Bricht eine psychische Erkrankung aus, ist i.d.R. eine lange Fehlzeit vorprogrammiert.

Erkrankungen des Atmungssystems

Hierzu zählen Erkrankungen, die die Atemwege beeinflussen: Allergien, Asthma, Atemwegsinfektionen. Gerade in den Wintermonaten sind hier massive Anstiege zu verzeichnen. Natürlich spielt auch hier Corona eine wichtige Rolle, die Situation verschärft sich zunehmend. Häufig sind Menschen, die an Atemwegserkrankungen leiden, nicht voll einsatzfähig. ist dies dauerhaft der Fall, bedeutet auch dies wieder eine finanzielle Verschärfung für das Unternehmen.

3. Wie werden Krankenstände i.d.R. gemessen?

Wie gesagt: Es gibt in jedem Unternehmen Parameter, die geklärt werden müssen um den Krankenstand auf lange Sicht vergleichend erfassen zu können. Zu beachten ist auch, dass die Krankenkassen eine etwas abweichende Rechnung durchführen, da sie erst ab Tag 3 von der Krankmeldung erfahren. Durchgesetzt haben sich folgende Berechnungsmethoden:

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4. Bedeutung für das Unternehmen

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Fallen MitarbeiterInnen krankheitsbedingt aus, bringt der Ausfall eine ganze Menge an Nachteilen mit sich. Hier werden weiche und harte Faktoren unterschieden, zu den weichen Faktoren gehören:

Der Ausfall muss durch KollegInnen aufgefangen werden. Diese werden doppelt belastet, möglicherweise auch in Sachen Motivation.

Der Ausfall bewirkt möglicherweise, dass eine Dienstleistung, ein Produkt etc. nicht rechtzeitig geliefert werden kann. Das Unternehmensimage leidet.

Der Ausfall  Die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens kann leiden, wenn diese sich durch einen hohen Krankenstand verringert.

Die harten Faktoren betreffen vor allem den materiellen Wert:

Der Ausfall muss finanziert werden, fehlendes Personal erhält zunächst weiter den normalen Lohn und Personal muss ggf. zusätzlöich eingekauft werden..

Der Ausfall verursacht möglicherweise, dass eine Rechnung für eine Leistung nicht gestellt werden kann, da sie nicht erbracht wurde.

Der Ausfall kann zu zusätzlichen  Energiekosten führen, wenn dadurch bspw. Maschinen ungeplant  herunter- und wieder heraufgefahren werden müssen.

5. Gesundheitsangebote kosten Geld. Krankheit kostet mehr Geld.

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„Frau Thiel, Maßnahmen für die Gesundheit können wir uns einfach nicht auch noch leisten. Für die persönliche Gesundheit müssen die MitarbeiterInnen schon selbst sorgen.“

Falsch ist es zu sagen, dass Gesundheitsmaßnahmen kein Geld kosten, im Gegenteil. Auch wenn es einige Möglichkeiten zur finanziellen Förderung von Angeboten gibt, muss ein Unternehmen insbesondere am Anfang aus eigener Tasche die Gesundheitsangebote finanziell unterstützen. Zumindest was die materiellen Ausfälle betrifft, kann der Return in Investment (ROI) sehr gut ermittelt werden. Studien belegen, dass sich dieser in einer Spannbreite zwischen 1:2,3 und 1:5,9 befindet (IGA-Report 13).

Was den immateriellen Wert betrifft, ist es natürlich deutlich schwieriger einen ROI zu beziffern. Dennoch können Unternehmen sicher sein, dass Gesundheitsangebote, die gut geplant sind und bei denen die Belegschaft mitgenommen wird, einen enormen Einfluss auf die Motivation, das Unternehmensimage und auch die qualitative Arbeitsleistung mitbringen. Aus Erfahrung weiß ich, dass es neben dem Wert des Euro viele Währungen gibt, die für BewerberInnen heute eine große Rolle spielen. Wertschätzung, insbesondere auch durch gezielte Gesundheitsangebote, gehören definitiv dazu und sind daher ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels. Zu diesem Thema habe ich mit Carmen Fiedler ein Interview geführt. Sie ist Betriebliche Gesundheitsmanagerin bei der Firma Wellkistenfabrik Fritz Peters GmbH & Co. KG in Moers. Dort hat sie vor einigen Jahren das Thema komplett neu ins Leben gerufen und schildert aus Insidersicht, warum sich das Projekt lohnt. 

6. Zusammenfassung:

  • Der Krankenstand kann unterschiedliche berechnet werden. Das Unternehmen sollte eine einheitliche Definition wählen.
  • Muskel-/ Skeletterkrankungen, psychische Erkrankungen und Erkrankungen der Atemwege sind vorherrschend.
  • Fallen MitarbeiterInnen krankheitsbedingt aus, sind die Folgen sehr vielfältig.
  • Viele Studien zeigen: Die Investition in Gesundheit ist günstiger als der Ausfall durch Krankheit.

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